Die Geschichte der alten Eisenheimer Gaststätte
"Alte Rheinisch-Westfälische-Ecke"
entnommen der Zeitschrift 'Kickenberg' Ausgabe 12/2006
Nach einem sehr netten Gespräch mit der
Betreiberin der Gaststätte "Distel" (so lau-
tet der heutige Name der Gaststätte) Frau
Beate Meyer sind wir zu dem Schluss gekom-
men, dass man darüber schreiben sollte.
Bevor wir weiter berichten, lassen wir doch
erstmal die handgeschriebene Chronik
sprechen. Diese hängt sichtbar in der
Gaststätte hinter einem Glasrahmen aus.
 
Chronik
 
Im Jahre 1850 wurde die Gaststätte "Haus
Buschmann" von dem aus Essen zugewan-
derten Josef Denneborg erbaut und in Be-
trieb genommen.
Josef Denneborg hatte sich am Schnitt-
punkt zweier Landstrassen eine günstige
Lage ausgesucht. (Grenze Rheinland und
Westfalen).
Fast vom ersten Tag an war das Haus sozu-
sagen eine Pflichthaltestelle für sämtliche
Fuhrleute. Die bevorzugte Lage hatte auch
zur Folge, dass in diesem Hause schon
bald eine Zollstation eingerichtet wurde.
Josef Denneborg hatte nur eine Tochter
"Theres"; diese heiratete am 25. Septem-
ber 1877 Fritz Buschmann vom Busch-
mannshof in Buschhausen. Fritz Buschmann
verstand sich auf das Brennen und Brauen
und richtete sich hier einen entsprechenden
Betrieb ein, den er erst wieder aufgab, als
sich die Herstellung alkoholischer Getränke
mehr und mehr in die Großbetriebe ver-
lagerte.
Die Nachwuchssorgen, die Josef Denne-
borg hatte, kannte Fritz Buschmann nicht.
Der Klapperstorch brachte ihm Töchter am
laufenden Band ins Haus. 15 waren es in
ununterbrochener Reihenfolge, ehe sich der
Thronfolger einstellte. Das war "Leo", der in
Sportlerkreisen durch Generationen unver-
gessen bleiben wird. Geboren wurde er am
11.September 1893, 1920 heiratete Leo
Buschmann die Tochter Käthe des 1952
verstorbenen Rektors Robert Wagner.
 
Seit dieser Zeit wirkten beide in der Gast-
stätte, in den folgenden Jahren unterstützt
noch von Käthe Buschmanns Schwester
Frau Adele Wagner.
Beliebt waren seit den 20er Jahren die
Konzert- und Tanzeinlagen, die im Haus
Buschmann oder im angrenzenden Garten
gegeben wurden. Auf der Speisekarte des
Hauses fanden sich in jenen Jahren u.a. die
       
       
       
  Buschmann Platte (Brot, Butter,   Neben diesem Stammtisch, des
  Schinken, Wurst, Ei, Käse, Sar-   sich in der Gaststätte treffenden
  dellen, verschiedene Salate,   Brieftaubenvereins 'Pfeil', galt die
  Gurken und ein als Pilz deko-   besondere Liebe Leo Busch-
  riertes Ei, oder für DM 1,- (Eine)   manns dem damaligen 'Oster-
  2 Koteletts, Gemüse und Kar-   felder Spielclub 1912'. Als Mitbe-
  toffeln. Am Stammtisch der Be-   gründer des Vereins war er in den
  triebsführer der 'Zeche Osterfeld'   Jahren eine entscheidende Stütze
  nahm man am liebsten Gehack-   desselben. Am 'Schalker Markt'
  tes mit Ei und Sardellen zu sich.   ging der Fußball-Enthusiast Leo
  Davon ausgenommen war ledig-   Buschmann ein und aus, und die
  lich das Fest, wenn einmal im   Schalker Spielerprominenz mit
  Jahr die Frauen 'mitdurften'   Szepan und Kuzorra war fast
      wöchentlich
       
       
 
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Gast an der 'Rheinisch-Westfälischen
Ecke'. Nach Abschluss seiner aktiven
Laufbahn hat Kuzorra eine Zeit beim
Osterfelder Spielclub trainiert.
Am 18. Mai 1945 wurden Leo Buschmann
und seine Tochter Käthe, genannt 'Puppa'
bei einem nächtlichen Raubüberfall von
russischen Kriegsgefangenen, die die fa-
schistischen Gefangenenlager überlebt
hatten, erschossen. Vermutlich sind sie
Opfer einer Verwechslung geworden.
 
Bis im Jahre 1956 wurde die Gaststätte von
der Ehefrau Leos, Käthe Buschmann, und
deren Schwester Adele weitergeführt,
Kriegsschäden behoben und dergleichen
mehr.
 
Nach 106 Jahren Familienbetrieb erfolgte
dann der erste Wechsel.
In seinen äußeren Umrissen ist das Haus
bis auf den heutigen Tag unverändert ge-
blieben. Auch von der alten Pumpe am
Nordgiebel sind noch Reste vorhanden,
wenn sie auch nicht mehr betriebsfähig ist.
 
 
 
 
Sie braucht auch längst nicht mehr
ihren früheren Zweck als Pferde-
tränke zu erfüllen.
 
In kräftiger Leuchtreklame heißt die
Gaststätte heute 'Distel'. Unauffällig
in Stein erinnert eine kleine Tafel
noch an Haus Buschmann.
 
Wir, die wir heute die 'Distel' machen
versuchen im wohlverstandenen
Sinne des Wirtes die Tradition von
'Haus Buschmann' oder 'Rheinisch-
Westfälisches-Eck' fortzusetzen!
 
In diesem Sinne gilt auch der Spruch
jener Jahre :
Fuhrleute halt !
Bier schön klat !
Schnaps echt alt !
Bei Buschmann am Eck
Hat's Halten noch Zweck !
Kraftfahrer, erst ölen
Maschinen und Kehlen !
Denn es läuft erst der Wagen,
Wenn auch gestärkt ist der Magen !
Das ist alte Art
Gut Fahrt !
 
Wer diese Chronik verfasst hat, kann
man nicht mehr mit Bestimmtheit
sagen.
Ergänzend ist zu erwähnen, dass die
Gaststätte bis in die 70er Jahre eine
Gutbürgerliche Küche hatte und nicht
nur in Eisenheim sehr beliebt war.
Viele Relikte der alten Gaststätte sind
heute noch zu bestaunen. So hängt
im Haus die alte Pferdetränke, die da-
mals an der Hausecke stand. Sie war
z.B. für die Pferdehändler wichtig, die
monatlich von Bottrop-Pferdemarkt
kommend Rast machten. Außerdem
befand sich hier im 19. Jahrhundert
eine alte Zollstation. Auch manch ein
Durstiger suchte in der Nacht an
dieser Tränke seine Kühlung.
Erwähnenswert ist, dass in der Gast-
 
stätte heute noch der älteste Kneipentisch
Oberhausens seinen Dienst verrichtet. Er
stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhun-
dert. Ein Ölgemälde vom Haus, das der
Osterfelder Künstler Walter Kurowski 1984
malte, schmückt heute die Stammtisch-
ecke.
 
Für einen geschichtsinteressierten Be-
sucher ist daher die Gaststätte eine wahre
Fundgrube. Von der Chronik bis hin zum
Original der alten, handgeschriebenen
Schankerlaubnis und alten Fotos ist dort
alles öffentlich zu bewundern.
 
Auch das Fernsehen wusste die Räumlich-
keiten zu schätzen. Dort wurden 1976 für
den WDR Tatort 'Fortuna III' mit Hansjörg
Felmy Aufnahmen gedreht. 'Fortuna III'
spiegelt die damalige Stimmung des wirt-
schaftlichen Niedergangs im Ruhrgebiet
der 70er Jahre zwischen stillgelegter
Zeche, Fußballplatz und Platzwart-Kneipe
mit Kohlenkeller wider.
 
 
 
 
Die Gastsätte ist heute noch ein beliebter
Treffpunkt für junge und junggebliebene
Gäste.
KoJo
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Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers Josef Kortz (www.osterfeld-westfalen.de)